Wenn Schönheit Dummheit überstrahlt

Rubens stellte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts besonders gerne Frauen mir üppigen Rundungen dar (Rubensfigur) dar. Dies war damals das Schönheitsideal schlechthin.

Schönheitsideale repräsentieren in den Gesellschaften immer wieder den Partnerwert. Dieser bestimmt sich aus Jugendlichkeit, Schönheit, Attraktivität, Fruchtbarkeit und der genetischem Qualität im Verhältnis zu den gesellschaftlichen Verhältnissen. Runde Formen galten als attraktiv, zeugten sie doch von Wohlstand.

Doch wandelten sich nach und nach die Parameter, so dass heute andere Einflüsse die Definition von Schönheit bestimmen. Heute gilt als schön wer groß gebaut und schlank ist, eine gepflegte Haut hat und ein sportliches Erscheinungsbild abgibt.

Je näher ein Mensch dem Ideal seiner Epoche kommt, desto mehr werden seine eigenen Fähigkeiten oder auch seine Defizite vom Helo-Effekt überlagert. Der Helo-Effekt (engl. „Heiligenschein“) überstrahlt alle s.g. Softskills eines attraktiven Menschen. Attraktive Menschen sind erfolgreicher, ihnen wird eher z.B. Ehrlichkeit und Loyalität attestiert ohne dass sie diese Fähigkeiten besitzen müssen oder sich diesbezüglich auszeichnen konnten. Der Effekt wurde Frederic L. Wells 1907 erstmals entdeckt.

Das wirklich Gemeine an diesem Effekt ist, dass Menschen, die dem Idealbild der Zeit nicht entsprechen weniger Chancen im Berufsleben erhalten und sogar schlechter bewertet werden, als ihre attraktiven Kollegen.

Der Helo-Effekt ist jedoch nicht nur im Berufsleben, sondern auch schon in der Schule feststellbar. Attraktive Schüler und Schülerinnen erhalten durchschnittlich bessere Noten als Schüler bzw. Schülerinnen, die weiter vom Schönheitsideal entfernt sind.

Im Berufsleben kann der Effekt fatale Folgen haben. Werden notwendige Fähigkeiten in einen Mitarbeiter interpretiert, obwohl diese nur rudimentär vorhanden sind, wird sich dies zwangsläufig auch auf den Erfolg eines Unternehmens auswirken.

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