Leben mit der Borderline Störung – Podcast mit Ulrich Eckardt

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Leben mit der Borderline Störung (transkribierte Version)

Heute möchte ich über das Thema Borderline sprechen und zwar im Form eines Selbstinterviews. Zunächst möchte ich jedoch darauf aufmerksam machen, dass an Borderline Erkrankte ein hohe Suizid-Rate aufzeigen – daher ist diese Krankheit wirklich wirklich ernst zu nehmen und solltest Du annehmen, dass Du oder ein Freund oder Freundin, ein Familienmitglied oder wer auch immer eine Boderline-Störung erkrankt sein könnte, dann nimm diesen Menschen ernst, sollte er oder sie noch nicht in Behandlung sein, motiviere ihn oder sie zu einer Therapie

Was ist die Borderline Störung?

Zunächst muss man wissen, dass ein Borderliner oder eine Borderlinerin in einem Wechselbad der Gefühle lebt und zwar in den extremsten Ausführungen. Vom Gefühl der großer Euphorie hin zum Gefühl, dass alles schlecht ist, es können Angstgefühle aufkommen und der Wunsch dem Leben ein Ende zusetzen – so weit reicht hier die Bandbreite – und dieser Gefühlswechsel kann sich binnen weniger Augenblicke einstellen, was für Betroffene, aber auch Angehörige nicht nachvollziehbar ist – und meist kennen Borderliner selbst nicht den Grund. Daher wird das Krankheitsbild auch als emotional instabile Persönlichkeitsstörung bezeichnet.

Diese Instabilität basiert oftmals, wenn auch nicht immer, auf der Angst alleine zu sein, also verlassen zu werden, selbst dann, wenn der Borderliner oder die Borderlinerin eine Beziehung selbst beenden. Obwohl eine Beziehung vorhanden ist, wird diese vom Borderliner trotz der Angst alleine zu sein oftmals beendet und zwar wegen der instabilen Persönlichkeit.

„Wenn ich das richtig verstanden habe können Borderliner recht emotional sein und handeln manchmal auf eine Art und Weise, die für einen Normalbürger schwer nachzuvollziehen ist, was immer normal auch bedeutet“

Ja, Borderliner sind meist hochgradig emotional instabil, und da es sich, wie gesagt um eine Persönlichkeitsstörung handelt, weiß der Borderliner auch nicht, wer er bzw. sie ist und wofür er oder sie steht. Gut, das wissen die wenigsten Menschen wofür sie stehen und wer sie sind, doch bei Borderlinern ist das Phänomen extrem ausgeprägt. Bei Betroffenen kommt es erschwerend hinzu, dass sich neben der Erkrankung auch noch weitere Erkrankungen, meist psychischer Natur, einstellen – dies können bspw. Depressionen, Essstörungen oder Angststörungen aber auch der Süchte, wie Alkohol- oder Drogensucht, sein. Nur so nebenbei: Hier steht das Wort SUCHT – und das steht für suchen.

Ein weiteres Problem bei Borderlinern ist, dass deren Verhalten nicht vorhersehbar ist. Was andere Menschen wenig bis nicht tangiert, kann bei Borderlinern die Welt zusammenstürzen lassen – Also, das Leben als Borderliner kann sehr, sehr belastend sein – für die Betroffenen selbst, aber auch für deren Angehörige und Partner bzw. Partnerinnen. Dabei geben sich Borderliner oftmals die größte Mühe ihr Gefühlschaos, unter dem sie selbst leiden, zu ordnen und ihrem Leben eine Struktur zu geben, was durch plötzlich auslösende Spannungen in der Psyche jedoch nur bedingt gelingt.

Das bedeutet also, dass die Borderliner in der Regel selbst Interesse haben ein „geordnetes Leben“ zu führen“

Absolut oftmals wird die Welt von den Borderlinern in Schwarz und Weiß eingeordnet, es gibt weiß, es gibt schwarz aber kein Grau, also entweder jemand ist gut oder jemand ist böse. Eine Abstufung dazwischen gibt es jedoch nicht. Mit dieser Struktur versuchen Betroffene Sicherheit zu erlangen – doch leider kann diese Sortierung ohne Grund auch ins Gegenteil wechseln – was eben noch gut war ist jetzt schlecht und umgekehrt – und das gilt nicht nur für die Bewertung des Umfelds sondern auch für die eigene Persönlichkeit.

Das umwerfen der Struktur, die eigentlich zur Entlastung der Psyche und zur Reduzierung von Ängsten dient, kann durch einfache Auslöser getriggert werden. Dies wiederum bedeutet, dass irgendwann eine Belastung in der Psyche etabliert worden sein muss – dies können ein oder mehrere Gewalterfahrungen gewesen sein, die die Betroffen selbst erlebt haben, also Opfer waren, oder mit ansehen mussten – beispielsweise handgreifliche Auseinandersetzungen der Eltern. Es müssen aber nicht immer Ereignisse vorgelegen haben in denen Gewalt eine Rolle spielte sondern es kann auch ausreichen, wenn ein starkes Angstempfinden vorhanden war.

Borderliner verletzen sich auch selbst

Ja und als wenn das alles nicht schon genug sei, es gibt noch eine Vielzahl von Krankheiten, Symptomen und Verhaltensweisen, die bei Boderlinern auftreten können – hierzu zählt wohl auch das bekannteste, nämlich das selbstschädigende Verhalten, das Ritzen der Haut an Armen, Beinen und anderen Körperstellen. Das Ritzen kann zu ernsthaften Verletzungen und Narben führen.

Man sieht schon, dass die Borderline-Störung recht umfangreich sein kann und genauso umfangreich sind auch die Therapiemethoden und Ausprägungsgrade der Störung. So gibt es auf der einen Seite erfolgreiche Borderliner, die nur in bestimmten Situationen Probleme haben und auf der anderen Seite Menschen, die mit klassischen Therapiemethoden nur schwer oder nicht mehr behandelbar sind.

Wieviele Menschen sind denn vom Borderline Syndrom in Deutschland betroffen?

Heute geht man davon aus, das ca. 1.6 Millionen Menschen, die entspricht 2% der Bevölkerung in Deutschland an Borderline erkrankt sind.

„Was sind denn die bekannten Ursachen der Borderline-Störung? “

Man geht heute davon aus, dass negative Erfahrungen in der Kindheit die Störung auslösen können, aber auch vorgeburtliche Erlebnisse. Beides wirkt sich negativ auf die psychische Struktur eines Kindes aus, selbst dann, wenn es sich noch im Mutterleib befindet und noch nicht geboren ist. Daher sollten Eltern es tunlichst unterlassen zu streiten, wenn die Frau schwanger ist – anschließend natürlich auch nicht.
Weitere Auslöser können in der Kindheit selbst erlebte Gewalt, sexueller Missbrauch oder eine emotionale Vernachlässigung sein oder Krieg.

Man kann also sagen, dass Kinder, die nicht in einem normalen, stabilen Umfeld aufwachsen, sondern in einer Umgebung in der Kälte und Gewalt herrscht, besonders anfällig sind um an der Borderline-Störung zu erkranken. Dies bedeutet jedoch nicht, dass jedes Kind, welches Gewalterfahrungen gemacht hat ein Borderliner wird und nicht jeder Borderliner hat Gewalt oder sexuellen Missbrauch erlebt.

Gibt es noch weitere Ursachen, die ursächlich für die Borderline Störung sein können?

Grund für die Störung kann auch, wie schon gesagt, eine emotionale Vernachlässigung sein. Die vom Kind gemachte Erfahrung der emotionalen Vernachlässigung kann jedoch aus der Sicht eines Erwachsenen als weniger dramatisch erachtet werden, so dass den Eltern diese Vernachlässigung gar nicht bewusst ist. Schreit ein Kind, weil es Durst oder Hunger hat, dann sollten die Eltern umgehend reagieren und das Kind nicht weiter schreien lassen. Denn das Kind kann nicht abschätzen oder wissen, dass sich Vater oder Mutter im Nebenraum aufhalten. Bei einem Kind erzeugt das Gefühl keine Nahrung oder nichts zu trinken zu bekommen Todesangst auslösen, denn es weiß instinktiv, dass es ohne Nahrung und Trinken nicht überleben wird. Schreit also ein Kind, begebt Euch zum ihm.

Und was kann man nun gegen die Borderline Störung unternehmen?

Nun, die schlechte Nachricht ist, gegen ein Gefühl oder eine innere Spannung zu arbeiten, ist meist schwierig und in der Regel nicht zielführend. Daher macht es mehr Sinn, nicht gegen die Störung zu arbeiten, sondern mehrere Wege zu gehen:
Der erste Schritt kann das Auflösen der Ursache oder der Ursachen in der Vergangenheit sein. Dies bedeutet nicht anderes, als eine früher emotional belastende Situation oder Situationen, rückwirkend emotional neu zu bewerten. Das hört sich zunächst schwieriger an als es ist, denn im Leben bewertet man ständig nachträglich Situationen neu, nach dem Motto „hätte ich doch damals dies oder jenes nicht gemacht“.

Wir kennen das aus dem Alltag. Also, jeder Mensch hat die Kompetenz der nachträglichen Neubewertung – auch Ihr. Wird die Ursache oder die Ursachen von damals, an die man sich nicht wirklich bewusst erinnern können muss, emotional neutral bewertet, benötigt es die Störung im Hier und im Jetzt natürlich nicht mehr. Das Vorgehen nennt man übrigens Altersregression bzw. die Arbeit mit dem Inneren Kind.

Als zweites sollte man als Betroffener nicht versuchen die Spannung oder das dahinterliegende Gefühl zu verdrängen, denn das geht nur über einen gewissen Zeitraum, damit anschließend das Gefühl oder die Spannung umso stärker wieder zu zurückschlagen –

Was ich auch immer wieder höre ist, dass der Tipp gegeben wird, ein Gefühl nicht an sich herankommen zu lassen – hat das schon einmal funktioniert?

Nein – dieser Tipp ist, meiner Meinung nach, vollkommener Unsinn, denn Gefühle entstehen immer ins uns selbst. Ein Gefühl nicht an sich herankommen zu lassen würde doch bedeuten, das Gefühle etwas Externes sind – und das ist, wie gesagt Unsinn. Gefühle sind immer intern und daher können wir etwas nicht nicht an sich herankommen lassen, was bereits in uns vorhanden ist.

Erlaubt Euch sich bitte auch an die Störung zu denken, denn was glaubt Ihr, passiert, wenn Ihr es sich nicht erlaubt? Richtig, Ihr denkt daran. Denke jetzt bitte nicht an den blauen Elefanten – Du siehst, auch dieser Tipp, an etwas nicht denken zu wollen oder sollen, an das man gerade denkt, ist paradox und ebenfalls unsinnig, um nicht zu sagen vollkommener Quatsch.

Nehmt die beiden Tipps, also lasse das Gefühl nicht an Dich heran bzw. denke nicht an das Gefühl, von wem auch immer sie kommen, und ignoriere sie – sie sind nicht umsetzbar und maximal realitätsfremd.

Was für einen Tipp hast Du denn für Borderliner?

Mein Tipp an Sie als Betroffener oder Betroffene: Geht zum zu einem Therapeuten Eures Vertrauens, dies kann ein Arzt, Psychiater, Psychotherapeut, Heilpraktiker usw. der wirklich Erfahrung mit der Methode der Altersregression in Kombination mit der Arbeit mit dem Inneren Kind hat – und wenn ich Erfahrung sage, dann meine ich wirklich Erfahrung!

Und führt, so weit es möglich ist Entspannungsübungen durch – und wenn dies am Anfang nicht gleich funktioniert, dann ist das vollkommen in Ordnung. Je öfter Ihr trainiet, desto entspannter werdet Ihr – wobei, und das möchte ich betonen, Entspannungsübungen das Borderline-Syndrom, meiner Meinung nach, nicht heilen können, aber diese Übungen können helfen die Spannungen in der Psyche bei Betroffenen zu reduzieren – was sich natürlich auch in Form von Lebensqualität bemerkbar machen kann.

Wo gibt es Entspannungsübungen?

Nun das Internet ist voll damit. Bei YouTube gibt es viele. In der Beschreibung zu diesem Video habe ich ein paar verlinkt

Das ist eine tolle Idee, also einfach mal die Playlist anschauen

Vielen Dank für das tolle Interview und ich wünsche Euch nun viel, viel Gesundheit. Wir hören uns wieder hin in diesem Podcast-Kanal – mein Name ist Ulrich Eckardt

Link zu meiner Playlist bei YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=Kz83qlsYj-Q&list=PLZThQzJ4BzyuKGZUjbutC_AS2tI_8c0U0

Link zum Podcast: https://ulieckardt.de/podcast/leben-mit-der-borderline-stoerung/
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1 Kommentar zu „Leben mit der Borderline Störung – Podcast mit Ulrich Eckardt“

  1. Ein ganz wichtiger Punkt ist, Menschen mit Borderline sind in aller Regel hochsensible Menschen, bringen eine gewisse vulnerabilität bin. Therapeuten zu finden die Ahnung von der Materie haben und keine Angst vor borderliner ist glucksache und wenn man jemand gefunden hat sind Wartezeiten dennoch ewig. Kliniken und Co sind genauso daneben. Ich hab lange Zeit dafür gekämpft und aufgegeben. Irgendwann. Entweder waren die anderen diagnosen wie Esstorungen so dominant zu der Zeit dass man sich lieber darauf fokusieren sollte, oder als alleinerziehende hast du keine chance das mit dem kind zu regeln ausser du packst es in eine pflegefamilie. Das alles aber schult die resilienz ganz massiv. Aber es ist nicht lustig.. Und das stigma immer noch gross, uhh.. Die Kommentare von anderen Erwachsenen.. Heute immer noch zum kotzen..

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