Der Hamburger Psychologe Friedemann Schulz von Thun entwickelte das Persönlichkeitsmodell des Inneren Teams. Menschen haben, folgt man diesem Persönlichkeitsmodell, mehr als eine Persönlichkeit. Diese Persönlichkeitsanteile passen sich Gegebenheiten, Aufgaben und Situationen an und können sich unterschiedlich stark präsentieren. Die Anteile stehen sich jedoch auch manchmal im Weg.

Unbewusst tauschen sich die diese Persönlichkeitsanteile permantent aus, beeinflussen sich und ohne dass wir es wirklich merken, bestimmen sie unser Handeln. Kurz gesagt, es ist das, was unser Denken ausmacht.

Die Teammitglieder sind quasi Vertreter verschiedener Rollen, die wir parallel leben. Sie stehen immer im inneren Dialog miteinander. Mal ist ein Mitglied dominant, andere sind eher ruhig und abwartend. Sie unterhalten sich über unsere Ängste, Verpflichtungen, Wünsche, Bedürfnisse, Defizite, Stärken und Ziele. Sie beeinflussen sich, stärken einander oder torpedieren sich gegenseitig. Manche unterstützen sich und kooperieren, andere hingegen wollen herrschen.

Entstehen innere Konflikte, so wirkt sich diese möglicherweise auf unsere Kommunikation und auf unser Handeln aus. Sarkasmus und Ironie stehen dann im Vordergrund. Entwickeln wir die Fähigkeit aus den Teammitgliedern in ein starkes, harmonisches Team zu bilden, welches uns erlaubt eine Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und alle Mitglieder bei einer Beurteilung dieser in Einklang zu bringen, sind wir authentisch und souverän.

Mögliche Teammitglieder:

  • Antreiber / Manager: „Los jetzt, lass uns beginnen“
  • Kritiker: „Erst einmal Vor- und Nachteile prüfen“
  • Selbstzweifler: „Ob ich das jemals schaffen werde?“
  • Konservative / Vorsichtige: „Für was Innovationen – es ging doch auch so ganz gut“
  • Sprecher: „Erstmal informieren, dann entscheiden“
  • Kreative: „Was man dann alles machen kann“
  • Freudige:  „Ich freue mich auf die Aufgaben, die es zu lösen gilt“
  • Faulpelz: „Nicht schon wieder Entscheidungen und Veränderungen“

Es kann nun helfen zu hinterfragen, welche Einwände die einzelnen Anteile bei einer Entscheidung vorbringen. Manchmal haben diese Einwände auch eine Schutzfunktion, die auf Erfahrungen aus der eigenen Biographie basieren.

Hilfreich kann es sein, wenn man vor einer neuen bedeutenden Aufgabe die Argumente der Teammitglieder auf ein Blatt Papier niederschreibt. Alleine das Niederschreiben kann dafür sorgen, dass sich Probleme auflösen oder man Absicht dahinter deutlicher erkennt. Durch das Schreiben werden die Aussagen bewusst gemacht. Hilfreich kann es auch sein, nicht die unpersönliche „man“ – Form, sondern die persönliche „ich“-Form beim Formulieren zu nutzen.

Ebenso kann man Spielfiguren für die Mitglieder des Teams nutzen. Durch das Aufstellen können Abhängigkeiten erkannt und aufgelöst werden.

Mögliche Fragen an die Teammitglieder:

  • Was ist Deine positive Absicht?
  • Welche Erfahrung ist der Grund Deiner Aussage?
  • Was wäre eine negative Auswirkung, würde das Problem angegangen werden?
  • Was wäre, wenn Du stärker / schwächer wärst?
  • Bist Du von einem anderen Mitglied abhängig?
  • Welche Strategie würdest Du verfolgen?
  • Welche Ressourcen benötigst Du zur Problemlösung und kann Dich eines der Mitglieder dabei unterstützen?

Eine Teambesprechung sollte so lange durchgeführt werden, bis das Team eine Lösung gefunden hat und alle Teilnehmer mit der Lösung zufrieden sind.

Jeder dieser Teilnehmer will Ihnen nur Gutes tun, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht immer offensichtlich erscheint.

Damit das innere Team funktionieren kann, ist es notwendig die Teilnehmer erst einmal in sich selbst zuerkennen. Diese bedingt die Fähigkeit der Selbstanalyse. Natürlich kann es vorkommen, dass unliebsame Verhaltensmuster und Denkstrukturen in den Entscheidungsprozess integriert sind.

Ein Coach, besonders mit therapeutischer Ausbildung, kann unterstützend wirken hemmende Faktoren aufzulösen. Diese sind oftmals bei einem anderen, hier noch nicht genannten Teil in uns gespeichert. Der kritischen Faktor. Er entscheidet, sortiert und bewertet im Bruchteil einer Sekunde, ohne dass wir dies bewusst merken.

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