Wie sich das Gehirn anpasst

Früher ist die Wissenschaft davon ausgegangen, dass das Gehirn sich nicht verändert, dass es so bleibt wie es ist. Neue Untersuchungen von Hirnforschern zeigen jedoch, dass diese Annahme falsch ist. Das Gehirn entwickelt sich in dem Maße, in dem es genutzt, also trainiert wird (Neuroplastizität).

Diese neuen Erkenntnisse belegen auch die Wirksamkeit der Psychotherapie. Werden neue kognitive Prozesse angestoßen oder ausgebaut, verändert sich die Denkstruktur und damit die Verknüpfungen im Gehirn. Damit haben wir die Möglichkeit uns in die eine oder andere Richtung zu Verändern und können Kompetenzen aufbauen.

Die  Neuroplastizität oder neuronalen Plastizität ist eine Disziplin der Neurobiologie. Sie gehört zu den spannendsten Forschungsgebiete unserer Zeit.

Unter neuronaler Plastizität versteht man die Eigenart von Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnarealen, sich zwecks Optimierung laufender Prozesse in ihrer Anatomie und Funktion zu verändern. Je nach betrachtetem System spricht man zum Beispiel von synaptischer Plastizität oder kortikaler Plastizität.
(Quelle Wikipedia)

Man versteht also darunter die Möglichkeit von Synapsen oder ganzen Hirnregionen sich je nach Anforderung zu verändern und sich neuen Gegebenheiten unter Abhängigkeit der Verwendung, anzupassen, sich neu zu strukturieren.

Trainiert man beispielsweise die schwächere der beiden Hände, kann man bereits nach 16 Tagen nachweisen, dass sich die zuständigen Hirnareale entsprechend anpassen. Doch nicht nur ein Training eines Bewegungsablaufes sorgt für eine Veränderung der Synapsen im Gehirn, sondern auch die Vorstellung einer Veränderung, die Imagination, reicht aus, diese Anpassung im Gehirn herbeizuführen. Das erstaunliche Ergebnis eines Tests zum Thema war, dass es kein Unterschied für die Veränderung des Gehirnes darstellt, ob man etwas, beispielsweise ein Klavierstück, übt oder sich nur vorstellt es zu üben.

Neuroplastizität im Coaching und der Psychotherapie

Besonders letztere Erkenntnis bietet enorme Möglichkeiten in der Psychotherapie und des Coachings. Je öfter wir uns etwas vorstellen, positiv oder auch negativ, desto deutlicher wird die dazugehörende Veränderung. Man kann neues Verhalten in einer bekannten oder auch unbekannten Situation in der Vorstellung ausprobieren und Denkprozesse dabei verändern, ohne jedoch jemals in der Situation gewesen zu sein. Diese Möglichkeit Denkprozesse vor dem Erleben einer Situation anzuregen und zu etablieren, erlaubt es, die dann später reale Situation nach der eigenen „programmierten“ Vorstellung zu erleben.

Besonders mit der Unterstützung von Trance, die durch Meditation oder Hypnose herbeigeführt werden kann, kann es gelingen negative und sabotierende Gedanken aufzulösen, um das zu erwartende Erleben emotional positiv zu besetzen. Der s.g. kritische Faktor, also das kritische Denken, wird im Zustand der Trance gedämpft.

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Textname: Neuroplastizität des Gehirns – das Gehirn verändert sich